evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde
Tübingen-Waldhäuser Ost

Texte von Dietrich Bonhoeffer zu Passion und Ostern

"Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?" fragt Jesus in Gethsemane (Matthäus 26, 40 b). Das ist die Umkehrung von allem, was der religiöse Mensch von Gott erwartet. Der Mensch wird aufgerufen, das Leiden Gottes an der gottlosen Welt mitzuleiden. Er muß also wirklich in der gottlosen Welt leben und darf nicht den Versuch machen, ihre Gottlosigkeit irgendwie religiös zu verdecken, zu verklären; er muß >weltlich < leben und nimmt eben darin an den Leiden Gottes teil; er darf >weltlich< leben, d. h. er ist befreit von den falschen religiösen Bindungen und Hemmungen. Christsein heißt nicht in einer bestimmten Weise religiös sein, auf Grund irgendeiner Methodik etwas aus sich zu machen (einen Sünder, Büßer oder einen Heiligen), sondern es heißt Mensch sein, nicht einen Menschen Typus, sondern den Menschen schafft Christus in uns. Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben. Das ist die Umkehr, nicht zuerst an die eigenen Nöte, Fragen, Sünden, Ängste denken, sondern sich in den Weg Jesu mithineinreißen lassen, in das messianische Ereignis, das nun erfüllt wird (Jesaja 53, 4): Führwahr, Er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott erschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet, und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten; und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Dietrich Bonhoeffer (Quelle: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 535+536)



Die christliche Auferstehungshoffnung unterscheidet sich von der mythologischen darin, daß sie den Menschen in ganz neuer Weise an sein Leben auf der Erde verweist.

Dietrich Bonhoeffer (Quelle: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 500)



Es ist das Befreiende von Karfreitag und Ostern, daß die Gedanken weit über das persönliche Geschick hinaus gerissen werden zum letzten Sinn alles Lebens, Leidens und Geschehens überhaupt und daß man eine große Hoffnung faßt.

Dietrich Bonhoeffer (Quelle: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 49)



Christus ist nicht in die Welt gekommen, daß wir ihn begriffen, sondern daß wir uns an ihn klammern, daß wir uns einfach von ihm hinreißen lassen in das ungeheure Geschehen der Auferstehung.

Dietrich Bonhoeffer (Quelle: Ökumene, Universität, Pfarramt 1931-1932, DBW Band 11, Seite 452)



Nicht von Unsterblichkeit ist Ostern die Rede, sondern von Auferstehung, Auferstehung vom Tode.

Dietrich Bonhoeffer (Quelle: Barcelona, Berlin, Amerika 1928-1931, DBW Band 10, Seite 464)