evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde
Tübingen-Waldhäuser Ost

Kirchenmusik


Sonntag, 16. Oktober 2011, 17 Uhr Eberhardskirche
Und: Sonntag, 30. Oktober, 18 Uhr in der Martinskirche

Orgelmusik Für vier Hände und vier Füße
Elisabeth Fröschle und Friedrich Martin musizieren

Zwei Spieler an einer Orgel? Am Klavier kennt man das ja, aber die Orgel ist doch schon bei einem Spieler laut genug. Ja, aber es geht dabei nicht nur um Tonfülle, sondern darum, dass mit vier Händen (und mit vier Füßen) eben auch die Anzahl der Stimmlinien erhöht werden kann.

Das ist vor allem bei den altenglischen Duetten von Thomas Tomkins (1572-1656) und Nicholas Carlston (Zeitgenosse von Tomkins) der Fall. Diese Stücke sind für das Virginal komponiert und daher ohne Pedal, also nur für 4 Hände.

Franz Schubert (1797-1828) und sein Freund Franz Lachner (1803-1890) komponierten anlässlich eines Ausflugs nach Heiligenkreuz bei Wien jeder ein Werk und führten beide dann gemeinsam auf. Dies sind eigentlich vierhändige Werke, bei denen der zweite Spieler hin und wieder die Stimme der linken Hand mit dem Pedal verstärkt.

Adolph Hesse (1809-1863) war zu seiner Zeit ein bekannter Orgelvirtuose und Komponist, der auch in Paris und London Aufsehen erregte. Er komponierte mehrere Stücke für zwei Spieler, die den orchestralen Klang der romantischen Orgeln ausnützen. Auch seine Werke sind aber nicht wirklich für vier Füße komponiert: Spieler 1 verwendet nur die Hände, Spieler 2 im Allgemeinen rechte Hand und Pedal. Damit vermeidet der Komponist einen zu dicken Klang der Musik auf der ohnehin voll klingenden Orgel.

Eine Besonderheit ist das Stück von Charles Henry Valentin Alkan (1813-1888): Bombardo-Carillon für Orgel zu vier Füßen, also ohne Hände. Über die Bedeutung des Titels sind sich die Herausgeber nicht ganz einig, aber von Charakter und Melodik her entspricht es am ehesten einem volkstümlichen Stück, wie es auf der bretonischen Bombarde mit Borduninstrumenten gespielt wird, also ein Stück in der Art eines Glokkenspiels auf der Bombarde.

Und nun endlich das Werk, das wirklich dem Titel entspricht. In der Musikzeitschrift „Urania" (Jg. XIV, 1857, S. 143) gab der Verein „Deutsche Tonhalle" 1857 die Veranstaltung eines musikalischen Preisausschreibens bekannt:„Der Verein setzt hiermit den Preis von 20 Ducaten auf eine vierhändige Orgel-Sonate (bestehend in drei Sätzen, im letzten eine Fuge) für eine Orgel mit zwei Manualen und vollständigem Pedale. Das Pedal ist beiden Spielern obligat zuzutheilen und zwar so, daß jeder die ihm zukommende Hälfte desselben übernimmt. ..." Zu diesem Wettbewerb komponierte Gustav Merkel (1827-1885) ein umfangreiches Werk, mit dem er auch den Wettbewerb gewann.Den drei Sätzen seiner vierhändigen Sonate stellte er Mottos voran:
  • I. Allegro Moderato „Motto: Psalm 42, 6, 7,8, 10" -
  • II. Adagio„Motto: Psalm 23, 1-4"
  • III. Allegro con fuoco - Fuga „Motto:Psalm 42, 12"
Dieses Werk ist natürlich für eine große Orgel (etwa Stiftskirche) gedacht, aber auch auf den kleineren Orgeln ist die Wirkung durchaus gewaltig. Als Musiker muss man aufpassen, dass trotz der Vielstimmigkeit der Klang nicht zu massiv wird.

Friedrich Martin
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