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Bericht von der Reise 2003 nach Petrosawodsk


Vier „Abgesandte“ aus unserer Gemeinde – Herr und Frau Sütterlin, Frau Darenberg und Herr Volkmann – reisten vom 25. Juni bis 2. Juli nach Petrosawodsk. Anlass war die 300-Jahr-Feier der Tübinger Partnerstadt, die wenige Wochen nach der 300-Jahr-Feier der Stadt St. Petersburg begangen wurde. Ziel unserer Reise war die Begegnung mit der jüdischen Gemeinde Petrosawodsk, zu der wir seit mehr als sechs Jahren partnerschaftliche Beziehungen pflegen.

In Karelien leben 1.500 Juden an 18 Orten, die meisten in der Hauptstadt Petrosawodsk. Viele von ihnen stehen in Kontakt mit den Einrichtungen der jüdischen Gemeinde, vor allem mit dem Wohlfahrtsausschuss „Chesed Agamim“, der unserer Diakonie entspricht: 700 Personen sind dort registriert, die Hilfe bekommen, meist alte Menschen, aber auch Arbeitslose und allein Erziehende. Die geleistete Hilfe umfasst ärztliche Sprechstunden in den Räumen der Synagoge, Medizin, einfache Behandlungen, Verleih von Rollstühlen, Krücken usw., dann Besuchsdienst, Essenszubringerdienst, Lebensmittelhilfe und anderes. Auch die Sonntagsschule der Kulturgesellschaft „Schalom“ erfreut sich besonderer Beliebtheit: 110 Kinder nehmen teil. Andere Angebote wenden sich an die Eltern der Kinder. Am wöchentlichen Jugendclub der Gemeinde beteiligen sich 130 Jugendliche. Jeden Sabbat findet in der Synagoge der Gottesdienst mit der Lesung aus der von Tübinger Christen geschenkten Torarolle statt. Die Gemeinde ist kürzlich umgezogen, da die bisherigen Räume vom Vermieter, der Stadt Petrosawodsk, selbst beansprucht werden. Michael Volkmann und der derzeitige Gemeindeleiter Dimitri Gendelev brachten die Mesusa (Kapsel mit Toratext) am Türpfosten der neuen Synagogenräume an und weihten sie somit ein.

Die Gemeinde hat damit zu kämpfen, dass viele Menschen auswandern – nach Deutschland, Amerika und besonders Israel. Israel ist das Ziel vor allem junger Leute. Da sich jedoch immer mehr russische Bürger zu ihrer jüdischen Abstammung bekennen, bleibt die Zahl der in Karelien registrierten Juden noch konstant.

Nachdem wir die Gastfreundschaft der Gemeinde und der Geburtstag feiernden Stadt genossen hatten, ging die Reise noch nach Sankt Petersburg. Unter Führung des Vorsitzenden der West-Ost-Gesellschaft, Dr. Jörg Michael Bohse, erkundeten wir die Fünfmillionenstadt zwei Tage lang bis in die späten, aber sehr hellen Abendstunden hinein. Die Eremitage, das russisches Museum, der Njewskij-Prospekt, die Metropoliten mit ihren rund 60 m langen Rolltreppen, eine Bootsfahrt auf der Newa, die Schlösser Peterhof und Zarskoe Zelo, ein Symphonie-konzert mit einer Uraufführung und das Tschaikowski-Ballett „Schwanensee“ machten unseren Aufenthalt in Sankt Petersburg zum unvergesslichen Erlebnis.

Michel Volkmann